Hauptreferate

  • Niklas Baer
    Niklas Baer Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation, Psychiatrie Baselland
    Niklas Baer

    „Lebenslange Entwicklung von Arbeitsfähigkeit: Unterwegs zu einem neuen Behandlungsverständnis“

    Auch wenn die Anzahl der IV-Berentungen in der Schweiz in den letzten 15 Jahren insgesamt deutlich gesenkt wurde, gilt dies nur bedingt für psychisch Kranke und es gilt gar nicht für junge psychisch Kranke. Arbeitsplatzerhalt und Integration in den Arbeitsmarkt bleiben eine grosse Herausforderung: Nur jeder Vierte psychisch kranke IV-Versicherte wird erfolgreich eingegliedert, bei Versicherten mit muskuloskelletalen Erkrankungen beträgt die Erfolgsquote gegen 50%. Dies liegt zum einen an Besonderheiten psychischer Störungen, aber auch an den typischen Reaktionen der Umgebung, an mangelnder Evidenz und nicht zuletzt am oft isolierten Handeln der involvierten Systeme: Arbeitgeber, Versicherungen, Schule und Berufsbildung sowie Ärzteschaft.

    Im Referat wird anhand von Untersuchungen bei Arbeitgebern, Psychiatern und IV-Versicherten sowie Analysen von epidemiologischen Daten in der Schweiz dargestellt, welches die Erfolgsfaktoren für die Arbeitsmarktintegration und welches die wichtigsten Barrieren sind. Es werden ausgewählte Schlussfolgerungen gezogen, was die verschiedenen Akteure tun können, um die Arbeitspotentiale psychisch kranker Personen besser zu nutzen.

    Psychiaterinnen und Psychiater unterschätzen womöglich, wie wichtig ihr Wissen über die psychische Problematik des Patienten für Arbeitsplatzerhalt und Wiedereinstieg sind - oder sie werden zuwenig gehört. Aber niemand versteht die oft überdauernden Probleme und Ressourcen im beruflich-sozialen Funktionieren so gut wie sie. "Burnout" ist meist nur eine Chiffre für eine situative Eskalation, aber Arbeits(un)fähigkeit hat normalerweise eine Biografie. Psychiater kennen diese. Ohne ihr Wissen bleiben integrative Interventionen oft Blindflüge.

    Belastete oder fehlende Arbeit ist nicht eines von vielen wichtigen Problemen bei einigen psychiatrischen Patienten, es ist ein zentrales Problem bei rund der Hälfte aller Patientinnen und Patienten. Das Referat schliesst deshalb mit einigen grundlegenden Überlegungen zum psychiatrischen Behandlungsverständnis.


    Curriculum Vitae

    Dr. phil. Niklas Baer
    Leiter Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation
    Psychiatrie Baselland

    Nach dem Studium der Psychologie, Psychopathologie und Pädagogik in Zürich Praxiserfahrung als Co-Leiter einer Beratungsstelle für Strafentlassene in Basel (1990-1993).
    Anschliessend Leiter eines Abklärungs- und Eingliederungsprogrammes für psychisch kranke IV-Versicherte in Basel (1994-1999). Die Dissertation im Bereich Klinische Psychologie umfasste das Thema Erfolg und Prognosefaktoren der beruflichen Eingliederung psychisch kranker Menschen.
    Von 2000 bis 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Psychiatrie Baselland. Seit 2005 Leitung der Fachstelle Psychiatrische Rehabilitation der Psychiatrie Baselland.
    Von 2011-2015 Mitglied der OECD-Projektgruppe „Mental Health and Work“ und Ko-Autor verschiedener Hintergrundberichte und Länderanalysen.
    Hauptsächliche Tätigkeiten sind Forschung sowie Schulung und Beratung von Patienten, Arbeitgebern, Fachleuten von Sozial-/Privatversicherungen und rehabilitativen Einrichtungen sowie psychiatrischen Fachpersonen.

    Education
    1984-1990
    Diploma (Lic. phil.) in Psychology, Psychopathology and Pedagogical Psychology, University of Zurich

    2001
    Dissertation (Dr. phil) in Clinical Psychology, University of Basel: Vocational rehabilitation in people with mental disorders: Effectiveness, prognostic factors and client satisfaction

    Professional background
    since 2005
    Head of the center for psychiatric rehabilitation at the Psychiatrie Baselland

    2010-2015
    Member of the OECD working group on « Mental Health and Work » and Co-Author of several OECD background reports and country reports

    2000-2004
    Scientific assistant of the psychiatric services of the canton Basel-Landschaft for psychiatric services’ planning

    1994-1999
    Head of a center for vocational assessment and integration of disability benefit claimants with mental disorders in Basel

    1990-1993
    Co-head of a psychosocial counselling service for ex-convicts in Basel

  • Eric Fombonne
    Eric Fombonne Oregon Health & Science University, Portland (US)
    Eric Fombonne

    Actualités sur l'autisme: est-ce que l'épidémie est réelle? est-ce que seule l'ABA "marche"?

    Parmi les questions souvent posées sur l'autisme, figurent celles de l'épidémiologie et des traitements comportementaux. La prévalence de l'autisme a augmenté substantiellement depuis 50 ans. Plusieurs facteurs expliquent cette augmentation: élargissement de la définition de l’autisme, substitution diagnostique, meilleurs dépistage et détection dans les enquêtes populationnelles. Il reste possible qu’une vraie augmentation de l’incidence a également contribué à cette tendance, mais les facteurs de risque environnementaux impliqués, s’ils existent, restent indéterminés en dépit de proclamations tapageuses (par ex. sur le rôle des vaccinations). Les interventions précoces fondées sur l’ABA sont très diverses (DT, PRT, ESDM, etc..) dans leur contenu et leurs résultats. Quelques essais cliniques randomisés ont démontré des gains supérieurs de langage et de niveau cognitif chez les enfants traités par une forme ou une autre d’ABA. Cependant, une variabilité individuelle importante existe dans la réponse aux interventions, les gains restent modestes, les résultats des études sont rarement répliqués d’une étude à l’autre, et certaines affirmations sur l’ABA (ex. 40 heures sont nécessaires) n’ont pas de fondement empirique. Récemment, des interventions plus brèves (JASPER, PACT) ont montré des résultats satisfaisants avec une intensité moindre (12 à 20 semaines, quelque heures par semaine) qui peuvent être délivrées dans des contextes variés (écoles, domicile, zones rurales ou pays en voie de développement). Dans l’avenir, l’incorporation d’information génétique permettra de déveloper des interventions plus précises et ciblées sur chaque individu.


    Curriculum Vitae

    Dr. Eric Fombonne 
    Professor of Psychiatry, Director of Autism Research, Institute on Development & Disability
    Oregon Health & Science University

    Dr. Eric Fombonne trained in child and adolescent psychiatry in France. He held appointments as clinical scientist at the National Institute of Health and Medical Research (INSERM, France), as Senior Lecturer and Reader at the Institute of Psychiatry and Maudsley Hospital, King’s College London, UK (1993-2001), as tenured Professor of Psychiatry at McGill University (Canada), Head of the Division of Child Psychiatry and Canada Research Chair in Child Psychiatry (2001-2012). In September 2012, he joined the Department of Psychiatry at Oregon Health & Science University in Portland, Oregon (USA), and is now Director of Autism Research at the Institute for Developmental Disabilities. He has a long experience of clinical work with children with autism and their families, over the lifespan, and has been also directing clinical services for teenagers with depression. His research activities on developmental disorders and child and adolescent psychiatric disorders encompass clinical/longitudinal and population-based epidemiological studies, clinical trials, and genetic studies. He has published over 320 articles in peer-reviewed journals, 40 chapters in books. He is past Associate Editor of the Journal of Autism and Developmental Disorders (JADD; 1994-2004); he is currently Joint Editor of Journal of Child Psychology and Psychiatry (JCPP) and is on the editorial board of several other journals in the field of autism and child psychiatry.

  • Gregor Hasler
    Gregor Hasler Université de Fribourg, Freiburger Netzwerk für Psychische Gesundheit
    Gregor Hasler

    Neue Optionen bei therapieresistenter Depression

    Patienten mit Majoren Depression erlangen in Studien zu herkömmlichen Antidepressiva zu 40-60% die Remission. Ausserhalb von Studien liegt die Remissionsrate mit 20-40% noch tiefer. Bei der bipolaren Depression sind die Remissionsraten noch einmal tiefer.

    Zur Zeit werden eine Reihe neuer Behandlungsoptionen entwickelt, um die Remissionsrate bei depressiven Störungen zu erhöhen. Einerseits handelt es sich um neue Produkte wie zum Beispiel atypische Antipsychotika mit antidepressiver Wirkung.

    An akademischen Zentren werden zusätzliche Behandlungsoptionen geprüft. Am meisten Begeisterung hat die rasche und starke antidepressive Wirkung von Ketamin die wissenschaftliche Gemeinde in Aufruhr versetzt. Ketamin hat einen anderen Wirkungsmechanismus als herkömmliche Antidepressiva. Dies hat den Vorteil, dass Patienten, die von herkömmlichen Antidepressiva nur selten profitieren, gute Chancen auf eine Ketamin-Wirkung haben, zum Beispiel bipolare Patienten und übergewichtige Patienten. Die begrenzte Wirkdauer ist das Hauptproblem für Ketamin. Im Referat werde ich aufzeigen, was aktuelle die Möglichkeiten sind, die Wirkdauer von Ketamin zu verlängern. Dabei spielt Psychotherapie eine herausragende Rolle.

    In mehreren randomisierten, placebo-kontrollierten Studien hat sich die Lähmung des Corrugator-Muskels (Muskel oberhalb der Nase, der die Zornesfalte bildet) mittels Botulinumtoxin A als antidepressiv erwiesen. Ich werde aufzeigen, was die Wirkmechanismen dieser Therapie sind, für wen sie sich eignet, und wie ihre Wirkung mit Psychotherapie verstärkt und verlängert werden kann.

    Jeder Kliniker weiss, dass Depression mit Hormonen zu tun hat. Bisher ist es aber nicht gelungen, eine einfache und sichere Hormontherapie für depressive Patienten anzubieten. Dies könnte sich bald ändern.

    Schliesslich gibt es neue Langzeitstudienresultate, die eine antidepressive Wirkung von Vagus-Nervstimulation aufzeigen. Die chirurgische Implantierung eines Geräts ist nur in besonderen Fällen gerechtfertigt. Die Entwicklung von nicht-invasiven, transkutanen Vagus-Nervstimulatoren könnte den Vagus-Nerv, dieser wichtige Pfeiler der Darm-Hirn-Connection, wieder ins Zentrum des Interesses der Depressionsforschung rücken.

    Die Auswahl dieser Optionen ist nicht abschliessend. Ich freue mich auf eine angeregte Diskussion nach dem Vortrag.


    Curriculum vitae

    Prof. Dr. med. Gregor Hasler
    Ordentlicher Professor für Psychiatrie und Psychotherapie, Université de Fribourg
    Chefarzt Freiburger Netzwerk für Psychische Gesundheit

    Gregor Hasler (50) ist in Luzern aufgewachsen und hat an der Universität Zürich Medizin studiert. Er absolvierte seine Fachausbildung zum Psychiater und Psychotherapeuten an verschiedenen psychiatrischen Kliniken und am Universitätsspital Zürich. Parallel dazu bildete er sich in psychiatrischer Epidemiologie und Versorgungsforschung an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich aus. In einem dreijährigen Forschungsaufenthalt am National Institute of Mental Health in Bethesda (USA) vertiefte er seine wissenschaftliche Erfahrung im Bereich der bildgebenden neurobiologischen Forschung und untersuchte den Einfluss von Stress auf die psychische und körperliche Gesundheit. Im Jahr 2006 wurde Hasler Oberarzt am Universitätsspital Zürich, wo er die Sprechstunden für affektive Störungen und Psychosomatik leitete. Von 2010 bis 2018 war er Chefarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie Bern und ausserordentlicher Professor und Leiter der Abteilung für Molekulare Psychiatrie an der Universität Bern. Im Auftrag der Schweizerischen Gesellschaft für Bipolare Störungen schreibt er die Schweizer Behandlungsempfehlungen für Bipolare Störungen und ist Mitautor von internationalen Behandlungsleitlinien für Depression. Er ist Sekretär der Sektion für Pharmakotherapie der Welt-Psychiatrie-Gesellschaft WPA und Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie. Im Zentrum seiner Forschungstätigkeit stehen das Zusammenspiel sozialer, psychischer und biologischer Faktoren bei der Prävention und Behandlung psychischer Störungen. Im In- und Ausland hält er Vorträge zu wissenschaftlich und gesellschaftlich wichtigen Themen wie Depression, Stress und Resilienz. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Robert-Bing-Preis der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

  • Michael Kaess
    Michael Kaess Universitäre Psychiatrische Dienste (UPD), Bern
    Michael Kaess

    Früherkennung und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen

     


    Curriculum vitae

    Prof. Dr. med. Michael Kaess
    Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universität Bern
    Direktor und Chefarzt, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (UPD), Bern

    Sein Studium absolvierte er von 1999 bis 2007 an der Universität Heidelberg (Deutschland), an der er 2008 auch promovierte. Seine klinische Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie durchlief er sowohl am Universitätsklinikum Heidelberg als auch am «Orygen Youth Health» in Melbourne (Australien). Aufbauend auf seinen wissenschaftlichen Arbeiten an den Universitäten Heidelberg und Melbourne habilitierte Michael Kaess im Jahr 2015 und wurde daraufhin geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg sowie Leiter der Forschungssektion «Translationale Psychobiologie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie».

    Im Fokus der wissenschaftlichen Arbeit von Michael Kaess stehen die Erforschung von Störungen der Stress- und Emotionsregulation im Kontext der menschlichen Entwicklung. Diese werden im Kindes- und Jugendalter besonders häufig im Rahmen der Entstehung von affektiven Störungen oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen beobachtet. Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt von Michael Kaess liegt auch in der Kombination seiner neurowissenschaftlichen Forschung mit der Entwicklung und Evaluation moderner Diagnose- und (Psycho-)Therapieverfahren, die letztlich zu einer effektiveren und personalisierten Früherkennung und -intervention führen soll.

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  • Martin Keck
    Martin Keck Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
    Martin Keck

    Hält Arbeit gesund? 

     


    Curriculum Vitae

    Prof. Dr. Dr. Martin Keck
    Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, München

    Prof. Dr. Dr. Martin Keck ist Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und Facharzt für die Bereiche:

    • Psychiatrie und Psychotherapie
    • Psychosomatik und Psychotherapie
    • Nervenheilkunde (FMH Neurologie)
    • Allgemeinmedizin sowie Neurowissenschaftler

    Er ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Gründungsmitglied des Forschungsverbundes «Kompetenznetz Depression» sowie Vorstandsvorsitzender des Münchner Bündnis gegen Depression. Zudem ist Prof. Dr. Dr. Martin Keck Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Angst und Depression (SGAD), ehemaliger Vorstand und heute wissenschaftlicher Beirat des Schweizer Expertennetzwerks Burnout (SEB) sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie (SGAMSP) und war bis 2014 assoziierter Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ) der Universität und ETH.

    Prof. Dr. Dr. Martin Keck ist außerdem Mitglied des Steering Comitee der International Max Planck Research School for Translational Psychiatry (IMPRS-TP). Er ist darüber hinaus Mitglied des Data Monitoring und Safety Committe des Forschungsnetzes BipoLife (Psychotherapie bei Bipolarer Erkrankung), Beirat des ebenfalls vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft geförderten Forschungsprojektes SUPRIMA (E-health und Suizidprävention) sowie Partner Scientist des EU-geförderten Projektes PurinesDX- a H2020 Innovative Teaching Network (PurinesDX).

    Prof. Dr. Dr. Martin Keck lehrt als apl. Professor an der medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Autor von über 100 Fachpublikationen in internationalen Fachzeitschriften.

    Nach seiner Ausbildung in München, Basel, London und Zürich war er zunächst von 1996 bis 2005 am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München tätig. Nach seiner Tätigkeit als Ärztlicher Direktor einer großen Schweizer Klinik wurde er im Jahr 2014 an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München berufen.

    Im Sinne einer einmaligen ganzheitlichen Nervenheilkunde arbeiten hier wissenschaftlich tätige Fachärzte für Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie, Neurologie, Radiologie und Innere Medizin eng zusammen.